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Kapitel 17: Adverbien


  17.1 Adverbien - Was sind Adverbien?

Mit den Adverbien, bzw. den Schwierigkeiten, die es macht, diese Wortart genau zu bestimmen, haben wir uns schon befasst, wir haben also das Pferd von hinten aufgezäumt, zuerst die Probleme. Sieht man von den Problemen ab, dann lassen sich Adverbien ziemlich einfach definieren. Adverbien sind Wörter, die andere Adverbien, Adjektive oder Verben näher bestimmen.

Adverb bestimmt Adverb
  Das hat er sehr gut gemacht.
  Adverb bestimmt Adjektiv
  Er hat eine ziemlich große Klappe.
  Adverb bestimmt Verb
  Er spricht viel.

Adverbien sind invariabel, bleiben also immer gleich. Sie können sich zwar auf etwas beziehen, was variabel ist, ein Adjektiv oder ein Verb, ändern sich aber selber nicht.

Er spricht laut.
  Sie sprechen laut.

Das muss nicht so sein, theoretisch wären auch Sprachen denkbar, bei denen auch das Adverb veränderlich ist, also etwas in der Art.

a => wenn Verb im Singular steht
  Er spricht lauta.
  an => wenn Verb im Plural steht
  Sie sprechen lautan.

(Wir hatten, in der sicheren Annahme, dass es keine Sprache gibt, wo Adverbien flektiert werden, auf der www.franzoesisch-lehrbuch.de ein Preis von 50 Euro ausgelobt, wenn jemand eine Sprache findet, wo Adverbien flektiert werden. Leider war diese unsere Sicherheit trügerisch und wir mussten 50 Euro bezahlen. Im Tschechischen werden Adverbien flektiert. Theoretisch haben wir das eigentlich für höchst wahrscheinlich gehalten, hatten aber nicht damit gerechnet, dass es eine Sprache gibt, die dies ganz praktisch sogar tut. Wir werden also hier keinen Preis mehr ausloben.)
Wie bereits öfters und immer wieder gerne erwähnt, ist die reine Theorie für den Spracherwerb bedeutungslos. Da es aber nicht allzu viel Zeit in Anspruch nimmt, kann man kurz mal klären, was wir eigentlich meinen, wenn wir von Adverb sprechen. Wenn wir hier von Adverbien sprechen, dann sprechen wir von der Funktion dieser Wortart, nicht von einem bestimmten Worttyp. Wir sollten uns den Unterschied zwischen Funktion und Typ einer Wortart klar machen. Wir tun dies an einem anderen Beispiel, dem Substantiv. Ein Substantiv ist ein Wort, das für irgendetwas steht (huh, das hat schon Aristoteles festgestellt, aliquid statt pro aliquo, etwas steht für etwas anderes). Hierbei kann es sich um höchst konkrete Dinge handeln wie Tisch, Schokolade und Auto, aber auch um abstrakte Dinge wie Ideologie, Vorurteil und Intelligenz (wobei letzterer Begriff das Supersubstantiv ist, denn dieser Begriff ist superabstrakt). Ein Substantiv kann aber auch eine Funktion haben, es kann Dativ, Akkusativ, Genitiv oder Nominativ sein. Spricht man davon, dass ein Substantiv Dativobjekt ist, dann meint man seine Funktion. Objekt und Substantiv sind also zwei verschiedene Betrachtungsweisen. Der Begriff Objekt stellt auf die FUNKTION ab. Der Begriff Substantiv auf die WORTART. Ähnlich verhält es sich beim Adverb, der Begriff Adverb stellt auf die Funktion dieser Wortart ab, nicht auf ihren Typ. Haben wir ein Wort wie "laut" dann kann dieses Wort sowohl die Funktion eines Adverbs, wie auch eines Adjektivs haben.

Adverb
  Sie singt laut.
  Adjektiv
  Ein lautes Brummen verkündete die Ankunft des Flugzeuges.

Daraus ergibt sich dann, dass wir rein terminologisch, was für den Spracherwerb allerdings völlig bedeutungslos ist, ein kleines Problem haben. Von Adverbien können wir also, nimmt man es ganz genau, nur dann sprechen, wenn das Wort auch ausschließlich als Adverb genutzt wird, also ein anderes Adverb, ein Adjektiv oder ein Verb näher bestimmt. Das wären Wörter wie sehr, heute, jetzt nicht aber Wörter wie schnell oder langsam.

Ausschließlich und immer Adverbien
  Sie kauft sehr gerne ein.
  Heute backen wir einen Kuchen.
  Ich gehe jetzt.
  Adverb und Adjektiv
  Adverb: Die Autos fahren schnell.
  Adjektiv: Schnelle Autos verbrauchen viel Sprit.

Wenn wir hier also von Adverbien sprechen, meinen wir Wörter, die die Funktion eines Adverbs haben können, die aber auch als Adjektiv benutzt werden. Besser als Adverb ist der Begriff adverbiale Bestimmung. Bei der adverbialen Bestimmung haben wir eine Wortgruppe, die zeitlichen ("Heute abend gehe ich in die Disco"), modalen ("Unter Aufbietung aller Kräfte konnte er sich befreien"), kausalen ("Bedingt durch diesen Umstand haben wir aufgegeben"), finalen ("Zwecks Eruierung der näheren Umstände sind wir hingefahren") oder konzessiven Umstände eines Ereignisses ("Trotz seiner Behinderung, ist er glücklich") näher beschreiben. Die Begriffe kausal, konzessiv, final etc. erinnern uns jetzt an die Konjunktionen. Sie sollten aber sehen, dass die adverbialen Bestimmungen keine Zusammenhang zwischen zwei Teilsätzen herstellen, in den oben genannten Beispielen ist das offensichtlich, es gibt gar keine Teilsätze, es gibt nur einen einzigen Satz, folglich kann man auch nichts verbinden. Im übrigen könnte man den Begriff Adverb auch abschaffen und durch den Ausdruck adverbiale Bestimmung ersetzen. Das Adverb ist nur ein Sonderfall der adverbialen Bestimmung. Von Adverb spricht man, wenn ein einziges Wort die Funktion hat, ein anderes Adverb, ein Adjektiv oder ein Verb näher zu bestimmen, sind es jedoch mehrere Wörter, dann ist es eine adverbiale Bestimmung. Der Ausdruck adverbiale Bestimmung sitzt nicht zwischen mehreren Stühlen, er stellt allein auf die Funktion ab. Um was für Typen von Wörtern, Substantive, Präpositionen, Adjektive etc. es sich hierbei handelt, ist egal. Das Problem, das der Ausdruck Adverb hat, hat die adverbiale Bestimmung gar nicht. Eine gewissen Berechtigung für das Wort Adverb kann aus der Tatsache abgeleitet werden, dass es auch Wörter gibt (heute, jetzt, sehr, immer, nie etc.), die tatsächlich immer und ausschließlich Adverbien sind. Über die anderen ganz skurrilen Wörter, die irgendwie zwischen Präposition, Konjunktion und Adverb hängen, haben wir bereits im Kapitel über Präpositionen gesprochen.

Das oben genannte Problem, die Tatsache eben, dass der Begriff Adverb etwas ungenau ist, ist übrigens im Italienischen nicht so in die Augen fallend, weil in den meisten Fällen sich das Adverb vom zugehörigen Adjektiv in der Form unterscheidet, wir haben also folglich meistens eine Situation, bei der man sagen könnte, dass es sich sowohl im Hinblick auf die Funktion wie auch im Hinblick auf die Wortart um ein Adverb handelt. Um es ganz genau zu sagen, das Italienische hat, wie die anderen romanischen Sprachen auch, ein produktives System, dass es erlaubt, von jedem x-beliebigen Adjektiv ein Adverb zu bilden. Das Deutsche hat zwar spezifische Endungen für Adverbien, allerdings handelt es sich hierbei nicht um produktive Systeme, wie folgende Beispiele zeigen. Deutsche Adverbien sind lexikalisiert, sind fester Bestandteil des Wortschatzes und die, die es nicht gibt, die gibt es eben nicht, auch wenn das eine so logisch wäre, wie das andere und auch dann, wenn die Wörter, von denen das Adverb abgeleitet wird, Synonyme sind.

Beispiele: Ableitung von einem Substantiv
  Löffel => löffelweise => Er hat löffelweise Marmelade gegessen.
  Gabel =>| gabelweise =>| ? nicht: Er hat gabelweise Reis gegessen.
  Sau => saumäßig => Er hat sich saumäßig benommen.
  Schwein =>| schweinemäßig => ? nicht: Er hat sich schweinemäßig benommen.
  Kreis => kreisförmig => Die Steine waren kreisförmig angeordnet.
  Quadrat => quadratförmig => ? nicht: Die Steine waren quadratförmig angeordnet.
  Beispiele: Ableitung von einem Adjektiv
  rot => rötlich Es schimmerte rötlich.
  schwarz =>| schwärzlich => ? nicht: Es schimmerte schwärzlich.
  Beispiel: Ableitung von einem Verb
  lesen => leserlich => Das war schlecht leserlich.
  schreiben =>| schreiberlich => ? nicht: Das war schlecht schreiberlich.
  machen => machbar => Das wäre machbar.
  tun =>| tubar => ? nicht: Das wäre tubar.

Zwar ist auch im Italienischen nicht jedes System gleichzeitig ein produktives System, also beliebig erweiterbar, aber zumindest die Bildung eines Adverbs aufgrund eines Adjektivs folgt einem einheitlichen Schema, womit sich dann die oben genannte Problematik nicht so suggestiv aufdrängt wie im Deutschen.


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