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Kapitel 10: Congiuntivo


  10.3.5.5 Welche Zeitform des Congiuntivos? 3

Das Italienische weicht insofern von den anderen romanischen Sprachen ab, als es zwischen Gleichzeitigkeit und Zukunft unterscheidet, bzw. unterscheiden kann, wenn auch nicht muss. Das oben genannte Schema (bei dem zwischen Gleichzeitigkeit und Nachzeitigkeit nicht unterschieden wurde ) ist also richtig. Genauso richtig ist aber das Schema unten, dass auch zwischen Gleichzeitigkeit und Futur (auch Futur aus der Sicht der Vergangenheit) unterscheidet.
Achtung! Im Französischen und Spanischen wird die Zukunft aus der Sicht der Vergangenheit, also wenn das einleitende Verb in einer Vergangenheitszeit steht, mit dem Konditional I gebildet (was aber, im Gegensatz zum Italienischen nur geht, wenn das einleitende Verb den Indikativ verlangt). Im Italienischen wird die Zukunft aus der Sicht der Vergangenheit mit dem Konditional II gebildet. Verlangt das Verb den Indikativ muss bei Nachzeitigkeit der Konditional II verwendet werden, verlangt das Verb den congiuntivo, kann der congiuntivo imperfetto oder der Konditional II verwendet werden. Ist die Nachzeitigkeit wesentlicher Bestandteil der Aussage, wird man natürlich den Konditional II wählen, den nur so ist eine klare Unterscheidung zwischen Gleichzeitigkeit und Vorzeitigkeit möglich. Sollten Sie also schon einmal der Meinung gewesen sein, dass das Französische und Spanische hier eine Lücke hat, dann dürfen Sie sich freuen. 60 Millionen Italiener teilen ihre Meinung, das nenne ich eine Solidargemeinschaft.

Einführender Satz steht im Präsens
Präsens

Konjunk-tion

  Gleichzeitigkeit Zukunft Vorzeitigkeit
Credo
  Voglio
  Temi
  Aspettamo
che
lui venga
lui capisca
lei dorma
lei sappia
voi compriate
loro conoscano
lui verrà
lui capirà
lei dormirà
lei saprà
voi comprate
loro conosceranno
siano andati
siate venuti
siano partiti
abbiano comprato
abbia conosciuto
abbiate scherzato

Einführender Satz steht im Imperfekt
Imperfetto Konjunk-tion   Gleichzeitigkeit Zukunft
(aus sicht der Vergangenheit)
Vorzeitigkeit
Ero sicuro
Dubitavi
  Bastava
  Pensavamo
  Speravate
che
lui venisse
lei comprasse
loro comprassero
tu sappessi
io comprassi
lui sarebbe venuto
lei avrebbe comprato
loro avrebbero comprato
tu avresti saputo
io avrei comprato
fossimo andati
fossimo partiti
fossero venuti
avessi conosciuto
avessimo comprato
aveste venduto

Einführender Satz steht im passato remoto / passato prossimo
Passato remoto Konjunk-
tion
  Gleichzeitigkeit Zukunft
(aus sicht der Vergangenheit)
Vorzeitigkeit
Mi sembrò
Ti vergognasti
  Io preferii
  Noi sperammo
  Voi pensaste
  Loro dubitarono
che
lui capisse
loro cercassero
lei fermasse
noi finissimo
io apprissi
loro volessero
lui avrebbe capito
loro avrebbero cercato
lei avrebbe fermato
noi avremmo finito
io avrei aperto
loro avrebbero voluto
fossimo partiti
foste andati
fosse arrivato
avessi capito
avessimo sofferto
aveste mangiato


Beispiele  
  Gegenwartzeit und Gleichzeitigkeit  
  Io credo che mangi troppo.
Ich glaube, du isst zuviel.
  Gegenwartszeit und Nachzeitigkeit
  Io credo che mangerai troppo.
Ich glaube, dass du zuviel essen wirst.
  Gegenwartszeit und Vorzeitigkeit
  Io credo che abbia mangiato troppo.
Ich glaube, dass du zuviel gegessen hast.
  Vergangenheitszeiten und Gleichzeitigkeit
  Io credei / credevo che mangiassi troppo.
Ich glaubte, dass du zuviel isst.
  Vergangenheitszeiten und Nachzeitigkeit  
  Io credei / credevo che avresti mangiato troppo.
Ich glaubte, dass du zuviel essen würdest.*
 
  Vergangenheitszeiten und Vorzeitigkeit
  Io credei / credevo che avessi mangiato troppo.
Ich glaubte, dass zu zuviel gegessen hättest.

* Wir werden darauf zurückkommen. Die Darstellung der chronologischen Abfolge ist nicht gerade das, was das Deutsche zur Höchstform auflaufen lässt. Der Satz "Ich glaubte, dass du zuviel essen würdest" ist zweideutig. Der Konditional kann für einen gestelzt klingen Konjunktiv II stehen (äßest), dann ware es Gleichzeitigkeit, er kann aber genau so gut der Konjunktiv von werden sein, dann wäre es Futur, aus der Sicht der Vergangenheit. Einfacher ausgedrückt, das Deutsche kann in der Regel zwischen Gleichzeitigkeit und Nachzeitigkeit nicht unterscheiden.


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